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Ratgeber

Anschlussfinanzierung vergleichen: Warum der niedrigste Zins nicht automatisch gewinnt

Sören Uhlig Unabhängiger Finanzierungsberater Baufinanzierung 4 Min. Lesezeit

Beim Vergleich von Anschlussfinanzierungen zählt mehr als der Zinssatz. Sondertilgungsrecht, Ratenhöhe und Flexibilität entscheiden häufig darüber, ob ein Angebot über die gesamte Laufzeit wirklich das günstigere ist.

Der Zins ist nur die halbe Wahrheit

Wenn die Zinsbindung ausläuft, schauen die meisten Menschen zuerst auf eine einzige Zahl: den Zinssatz. Das ist verständlich, denn er steht in jedem Vergleichsportal ganz oben und lässt sich leicht nebeneinanderlegen.

Nur beschreibt der Zinssatz eben nur einen Teil des Angebots. Zwei Finanzierungen mit demselben Zins können sich über zehn oder fünfzehn Jahre völlig unterschiedlich anfühlen — je nachdem, wie viel Spielraum sie Ihnen lassen. Genau dieser Spielraum taucht in keiner Zinstabelle auf.

Was Sie beim Vergleich wirklich prüfen sollten

Ein Angebot ist mehr als eine Prozentzahl. Diese Punkte lohnt es sich, nebeneinanderzulegen:

Sollzins und Effektivzins: Der Sollzins ist der reine Preis für das Geld. Der Effektivzins enthält weitere Kosten und ist deshalb die ehrlichere Vergleichsgröße.

Das Sondertilgungsrecht: Wie viel dürfen Sie jährlich zusätzlich zurückzahlen, ohne dass es etwas kostet?

Die Möglichkeit, den Tilgungssatz zu ändern: Können Sie die Rate später anpassen, wenn sich Ihre Lebenssituation verändert?

Bereitstellungszinsen: Ab wann verlangt die Bank Geld dafür, dass sie das Darlehen für Sie bereithält?

Die Länge der Zinsbindung: Sie sollte nicht zum Marktgefühl passen, sondern zu Ihrer Lebensplanung.

Erst wenn diese Punkte auf dem Tisch liegen, lässt sich sagen, welches Angebot tatsächlich das bessere ist.

Sondertilgung: die unterschätzte Stellschraube

Von allen Vertragsdetails wird das Sondertilgungsrecht aus meiner Erfahrung am häufigsten übersehen — und am häufigsten später gebraucht. Eine Erbschaft, eine Abfindung, eine Gehaltserhöhung: Sobald Sie außerplanmäßig Geld zurückzahlen können, verkürzen Sie die Laufzeit und sparen Zinsen über Jahre.

Üblich ist, dass Banken eine jährliche Sondertilgung in einer bestimmten Höhe kostenfrei einräumen. Wie hoch dieser Anteil ist und ob er überhaupt vereinbart wird, unterscheidet sich von Angebot zu Angebot deutlich.

Beispiel: Zwei Angebote mit identischem Zins, eines mit großzügigem Sondertilgungsrecht, eines ohne. Auf dem Papier sind beide gleich teuer. In dem Moment, in dem Sie einmal Geld übrig haben, sind sie es nicht mehr.

Ihre Ausgangslage ist heute oft besser als vor zehn Jahren

Viele unterschätzen, wie sehr sich ihre Position seit dem ersten Vertrag verbessert hat. Sie haben über Jahre getilgt, die Restschuld ist also spürbar kleiner geworden. Häufig ist auch das Einkommen gestiegen, und je nach Lage kann die Immobilie heute anders bewertet werden als beim Kauf.

All das kann dazu führen, dass sich das Verhältnis von Darlehen zu Immobilienwert verbessert hat — und damit die Konditionen, die Ihnen Banken anbieten. Wer einfach das erstbeste Verlängerungsangebot unterschreibt, verschenkt genau diesen Vorteil.

Wichtig: Ob das in Ihrem Fall so ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Es ist ein Grund, genauer hinzuschauen — kein Automatismus.

Zwei Personen vergleichen Finanzierungsangebote
Gleicher Zins, andere Bedingungen: Der Unterschied steckt in den Details.

Bleiben oder wechseln — was der Vergleich zeigt

Ihre bisherige Bank macht Ihnen in der Regel von sich aus ein Angebot zur Verlängerung. Das ist bequem, weil kaum Unterlagen nötig sind. Bequem ist aber nicht automatisch günstig.

Ein Wechsel zu einer anderen Bank bedeutet mehr Aufwand: Unterlagen zusammenstellen, die Immobilie wird erneut bewertet, und es fallen Kosten für die Übertragung der Grundschuld an. Diese Kosten sind überschaubar, aber sie gehören in die Rechnung.

Ob sich der Wechsel lohnt, zeigt erst der Vergleich beider Wege — inklusive der Wechselkosten. Wann Sie diesen Vergleich starten sollten und welche Fristen dabei gelten, habe ich im Ratgeber zum richtigen Zeitpunkt ausführlich beschrieben.

Was ein Vergleichsportal nicht leisten kann

Ein Portal kennt Ihren Zinssatz, Ihre Restschuld und Ihre Postleitzahl. Es kennt nicht, dass Sie in vier Jahren in Teilzeit gehen möchten. Oder dass eine größere Anschaffung ansteht. Oder dass Ihnen Planungssicherheit wichtiger ist als das letzte Zehntelprozent.

Deshalb ist das Angebot mit dem niedrigsten Zins nicht immer das richtige. Manchmal ist es das drittbeste in der Liste — weil es die Flexibilität mitbringt, die zu Ihrem Leben passt.

Genau an dieser Stelle sehe ich meine Aufgabe: nicht die Tabelle vorzulesen, sondern gemeinsam mit Ihnen herauszufinden, welche Zeile davon zu Ihnen gehört.

Wie ich beim Vergleich vorgehe

Ich bin an keine Bank gebunden. Das heißt: Ich vergleiche die Angebote objektiv nebeneinander — Zins, Sondertilgung, Flexibilität, Nebenkosten — und sage Ihnen ehrlich, wo die Unterschiede tatsächlich liegen.

Dazu gehört auch, das Angebot Ihrer bisherigen Bank fair mit zu bewerten. Wenn die Verlängerung bei Ihrer Hausbank am Ende das Beste für Sie ist, sage ich Ihnen das — auch wenn dabei kein Wechsel für mich herausspringt.

Die Beratung ist für Sie kostenfrei. Vergütet werde ich erst im Erfolgsfall über die Bank.

Mehr zum Thema: Baufinanzierung

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Häufige Fragen

Was Sie oft fragen.

Reicht es nicht, einfach den günstigsten Zins zu nehmen?

In vielen Fällen führt das zu einem guten Ergebnis — aber nicht immer. Fehlt einem günstigen Angebot das Sondertilgungsrecht oder die Möglichkeit, die Rate später anzupassen, kann es Sie über die Laufzeit teurer zu stehen kommen als ein minimal höher verzinstes Angebot mit mehr Spielraum.

Wie viel Sondertilgung sollte ich mir sichern?

Das hängt davon ab, wie wahrscheinlich es ist, dass Sie außerplanmäßig zurückzahlen können. Wer mit Erbschaft, Bonuszahlungen oder steigendem Einkommen rechnet, sollte darauf besonderen Wert legen. Ein Sondertilgungsrecht kostet in der Regel nichts, wenn es von vornherein vereinbart wird — nachträglich ist es meist nicht mehr zu bekommen.

Muss ich die Bank wechseln, um bessere Konditionen zu bekommen?

Nein. Manchmal ist die Verlängerung bei der bisherigen Bank die beste Lösung, gerade wenn der Aufwand eines Wechsels in keinem Verhältnis steht. Häufig verbessert sich das Angebot der eigenen Bank aber erst, wenn ein belastbarer Vergleich auf dem Tisch liegt.

Meine Immobilie ist heute mehr wert als beim Kauf. Bringt mir das etwas?

Möglicherweise ja. Wenn das Verhältnis zwischen Restschuld und Immobilienwert günstiger geworden ist, kann sich das positiv auf die angebotenen Konditionen auswirken. Ob und in welchem Umfang, hängt von der Bewertung der jeweiligen Bank ab und lässt sich nicht pauschal vorhersagen.

Lohnt sich der Vergleich auch bei einer kleinen Restschuld?

Auch bei kleineren Beträgen kann sich ein Vergleich rechnen, weil sich Zinsunterschiede über die Restlaufzeit summieren. Gleichzeitig fallen bei einem Wechsel Kosten an, die sich bei sehr kleiner Restschuld unter Umständen nicht mehr amortisieren. Genau das rechnen wir vorher durch, statt es zu vermuten.

Was kostet mich der Vergleich?

Für Sie nichts. Das Erstgespräch und der Vergleich sind kostenfrei und unverbindlich. Meine Vergütung erfolgt erst im Erfolgsfall über die Bank — und wenn am Ende herauskommt, dass Sie bei Ihrer bisherigen Bank bleiben sollten, sage ich Ihnen auch das.

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